Alpenstieg Hintergrund Winter

Bergbücher

Kennen Sie auch Bergbücher, bei denen Sie buchstäblich schon den Atem angehalten haben? Oder wirklich lustige Schilderungen von Expeditionen oder Kletteranfängern auf ihren Wegen in die Vertikale?

Die Bergliteratur ist ein großes Feld, und wir erheben natürlich überhaupt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber wir möchten Ihnen hier gern ein paar Bücher vorstellen, die uns wirklich beindruckt haben. Weil sie sehr spannend waren, Bergsteiger sehr gut porträtiert haben oder einfach, weil man herzlich über sie lachen konnte.

Und wenn Sie noch weitere Tipps für uns haben, freuen wir uns und schreiben gern weitere Rezensionen darüber!

Wir wünschen Ihnen ganz viel Spaß beim Schmökern!

Lorenzo Rieg, Marius Schwager, Lea Hartl

"Powder Guide Tirol - die besten Freeride-Touren"

Lorenzo Rieg, Marius Schwager und Lea Hartl haben in ihrem „Powderguide“ die 50 schönsten Freeride-Touren in Tirol zusammengestellt. Dabei waren die drei in 10 bekannten Tiroler Regionen, vom Achensee bis ins Zillertal, unterwegs.

Der Guide richtet sich an gute Skifahrer, die jedoch keine 1.500 HM für eine Skitour bewältigen wollen. Die drei haben daher Touren zusammengestellt, bei denen eine Liftunterstützung den Aufstieg erleichtert und man so mit vergleichsweise geringem Aufwand tolle Abfahrten im glitzernden Pulverschnee erleben kann.

Alle Touren sind sowohl bebildert (was richtig Lust auf den Berg macht!), als auch mit Kartenmaterial des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen (BEV) versehen. So erhält man von jeder Tour bereits auf den ersten Blick einen guten Überblick.

In der Beschreibung jeder einzelnen Tour werden dann genau der Aufstieg, als auch anschließend die Abfahrtsmöglichkeiten beschrieben, die auch im Kartenmaterial eingezeichnet sind.

Ein Infokasten ergänzt den Tourentipp mit allen weiteren wichtigen Informationen:

Dazu zählt zum einen eine generelle Schwierigkeitsbewertung der Route, die maximalen Neigungswinkel und Expositionen der Hänge, die Höhenmeter im Aufstieg und während der Abfahrt, sowie die Dauer der gesamten Tour. Ein Gefahrensymbol weist auf besondere Gefahrenstellen hin, z.B. Gletscherspalten, Steinschlag oder eine Absturzgefahr.

Wir finden den Führer sehr übersichtlich, die Touren sind gut beschrieben und die Bilder machen jedem Freeride-Fan Lust auf viel, viel mehr!

Tyrolia, ISBN978-3-7022-3210-8 – 19,95 €

www.tyrolia-verlag.at

 

Marc Twight

Steig oder stirb

Die „Geständnisse eines Bergsüchtigen“ sind die Neuauflage eines Klassikers. Die Sammlung der einzelnen Artikel stammt ursprünglich aus den 90ern. Anfang 2000 hat Twight sie dann rückblickend kommentiert.

Die einzelnen Kapitel beschreiben Erfolge und Desaster am Berg, Freunde, die seinen Weg ein Stück begleitet haben und Beziehungen, die er aufbaut und von denen er sich eiskalt wieder trennt. Twights rückblickende Kommentare sind unglaublich spannend: Wie bewertet man eine Situation ein paar Jahre später? Sieht man sie noch genau so, wird man in seinem Urteil milder oder ggf. härter?

Für uns ist es das radikalste Buch, das je über das Bergsteigen und Bergsteiger geschrieben wurde. So schonungslos, ehrlich und provokant, dass man bei guter Laune sein sollte, um es zu lesen, denn ansonsten besteht die Gefahr, dass man sich in Twights stellenweise sehr düsteren Gedanken „verheddert“: „Früher habe ich meine Tränen verborgen, weil morgen immer ein neuer Tag war. Heute lasse ich ihnen aus dem gleichen Grund freien Lauf.“

Ein Buch, das sich nicht leicht liest. Es zeigt keine schönen, bunten Bergbilder und erzählt auch keine „netten“ Geschichten vom Berg, doch durch seine Abgründe besitzt es eine Tiefe und Ehrlichkeit, die es sehr lesenswert macht.

Malik, ISBN 978-3-492-40422-8 - 12,95 €

Stefan Glowacz

„On the Rocks – Leben an den Fingerspitzen“

Inzwischen schon fast ein Klassiker der Bergliteratur. Glowacz berichtet in seinem Buch von den Anfängen im Bereich des Wettkampfkletterns, bis hin zu seinen vielen Expeditionen nach Kanada, Mexiko oder Patagonien, immer auf der Suche nach spektakulären Erstbegehungen völlig unbekannter Gipfel.

Dabei mussten wir manchmal wirklich herzlich lachen, wenn er z.B. „gärtnerische Tätigkeiten“ beschreibt, um eine Dschungelroute von ihrer Botanik zu befreien. Oder von verzweifelten Trainingseinheiten der Eskimorolle berichtet, um gut vorbereitet mit dem Kajak nach Baffin Island aufzubrechen.

Doch Glowacz zeichnet auch ein sehr persönliches, ungeschminktes Porträt dieses Kletter-, Expeditionslebens, das sich streckenweise sehr schwer mit Familie und drei Kindern vereinbaren lässt. Ein imposantes Porträt einer Kletterlegende!

Piper-Verlag, ISBN 978-3-492-24804-4/ 10,- €

Steve House

„Jenseits des Berges“

Steve House, laut Reinhold Messner der beste Höhenbergsteiger unserer Zeit, spannt in seinem Buch den Bogen von den Anfängen des Kletterns in Slowenien (bei einem Schülergastjahr) bis zur Besteigung der Rupalwand im Alpinstil in nur sieben Tagen.

Doch, wie wird man eigentlich Extrembergsteiger? - Indem man sehr viele Schritte geht. Mit 29 Jahren war er vom Bergsteigen schließlich "besessen", nur waren zu dieser Zeit „alle Kletterpartner entweder im Ruhestand oder tot“. Das schreckte House nicht ab, trotz der Albträume. Er knüpfte neue Freundschaften.

Auch ihm fällt es schwer, zu vermitteln, wieso er als Rationalist („Ich bin kein gläubiger Mensch") seine Passion derart rigoros auslegt. Warum er jeden Dollar in riskante Reisen investierte und 2004 seine Frau nach neun Jahren Ehe verließ.

Warum er am North Twin weitere 14 Seillängen kletterte, nachdem ihm mitten in der Wand beim Sockenwechsel die Außenschale seines Bergschuhs in die Tiefe gefallen war. Warum er die 2.400 Meter hohe K7-Südwestwand mit nur etwas mehr als drei Kilo Ausrüstung durchstieg. Allein, in 41 Stunden. Warum er 2004 in der Rupalwand gar nicht bemerkte, wie höhenkrank er war, weshalb ihn sein Freund Miller zur Umkehr zwingen musste. Um dann doch noch einen Soloversuch zu starten, den er jedoch nach einigen Hundert Metern abbrechen musste. „Umdrehen fällt mir heute nicht mehr schwer, das war es einmal", sagt House.

„Jenseits des Berges“, ein beeindruckend ehrliches, intimes Porträt. Für sein Buch wurde House mit dem „Mountain Literature Award" beim Banff-Mountain-Buchfestival sowie dem englischen „Boardman-Tasker"-Preis ausgezeichnet.

Malik, ISBN 978-3-89029-384-4 - 21,95€ (gebundene Ausgabe)

Alexander Huber

„Der Berg in mir“

Mit elf stand er auf seinem ersten Viertausender, 1997 wurde er Diplomphysiker, bis er sich im darauffolgenden Jahr dazu entschloss, Profibergsteiger zu werden. Alexander Huber beschreibt sein Leben am Limit als einer der bedeutendsten Alpinisten: auf dem Weg zum 11. Schwierigkeitsgrad, von seinen Expeditionen nach Patagonien und in den Himalaya bis zu seinem Speed-Versuch an der „Nose", im Yosemite-Nationalpark.

Dabei beleuchtet der Ausnahmekletterer sehr offen und ehrlich Glück und Frust in den Alpen und Patagonien, Ziele, Visionen, Ängste und Rückschläge. Spannend beschreibt er auch das Verhältnis zu seinem Bruder, der Seilgefährte und auch Konkurrenz für ihn darstellt, und wie viel ihm seine Familie, Freunde und das Leben in der Vertikalen bedeuten.

Interessant fanden wir auch die Interview-Kapitel, in denen sowohl seine Mutter, als auch sein Bruder-, sowie Andreas Kubin, Chefredakteur der Zeitschrift „Bergsteiger“ und der Regisseur des Films „Am Limit“ zu Wort kommen. Ein lesenswertes Buch!

Malik, ISBN 978-3-89029-337-0 - 19,90 € (gebundene Ausgabe)

Georg Koeniger

„Cliffhänger“

„Cliffhänger“ ist ein wunderbares Buch, das unsere Lachmuskeln wirklich strapaziert hat! Eine tolle Idee, neben all den Biografien auch mal eine Kletter-Comedy zu schreiben. Koeniger, von Haus aus eigentlich Comedian, berichtet in spektakulären Beschreibungen von seinen kühnen alpinistischen Höchstleistungen am Mount Darup (187 Hm, Münsterland), von der Todeszone einer Alpenvereinssitzung und seiner ganz persönlichen Schicksalswand – auf einem Kinderspielplatz. Grandios auch die Verständigungsschwierigkeiten zwischen dem hochdeutsch sprechenden Kletteranfänger Koeniger und seinem fränkischen Seilpartner: „An dera Schubben mussd a weng biazen, des braacht a weng a Bower, aber dann bassd des scho.“ Wir können das Buch wirklich uneingeschränkt weiterempfehlen!

Piper Verlag, ISBN 978-3-492-26422-8 - 9,99 €

 

Jon Krakauer

„In eisigen Höhen“

Jon Krakauers Buch ist sicher ein Glanzstück der Bergliteratur, nach Veröffentlichung stand es monatelang auf Platz 1 der amerikanischen und deutschen Bestsellerlisten. Als Reporter wollte Krakauer eigentlich im Auftrag der amerikanischen Zeitschrift „Outside“ einen Bericht über die Kommerzialisierung des Bergsteigens am Everest schreiben.

Doch als Bergsteiger, der selbst der Faszination der Berge erlegen ist, schließt er sich einer Expedition an und und steht schließlich auf dem Gipfel des Everests – am Ende seiner Kräfte. Während Krakauer bereits auf dem Rückweg ist und es gerade noch in sein rettendes Zelt schafft, kommt es zur Katastrophe: Ein Schneesturm zieht auf, neun Bergsteiger aus vier Expeditionen sterben.

Sehr spannend beschreibt Krakauer, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte, berichtet schonungslos über den „Expeditionstourismus“, die Faszination des Bergsteigens und seine magische Anziehungskraft. Eigentlich ein Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte!

Piper-Verlag, ISBN 978-3-492-22970-8 - 10,- €

Reinhold Messner

„Der nackte Berg“

Wir gestehen: Bei Reinhold Messner und seinen unzähligen, beeindruckenden Buchtiteln ist es uns schwergefallen, auszuwählen. Doch „Der nackte Berg“ hat uns besonders beeindruckt.

Die reinen Fakten sind sicher vielen bekannt: 1970 bezwingen Reinhold Messner und sein Bruder Günther den Nanga Parbat. Es ist die erste Überschreitung des Bergs, die den Brüdern gelingt. Der Aufstieg gelingt ihnen über die 4500m hohe Rupalwand, die höchste Steilwand der Erde. Über die Westseite, die Diamirseite, steigen beide wieder ab.

Dort passiert es: Günther Messner wird unter einer Lawine begraben. Fassungslos, ohnmächtig, ohne Hoffnung und mit schwersten Erfrierungen kämpft sich Reinhold Messner seinen Weg zurück - ins Leben. Beeindruckend schildert er diese Expedition drei Jahrzehnte nach dem Unglück, den schmalen Grat zwischen Leben und Tod, die Tragödie, den Schock und den Beginn seiner Identität als „Grenzgänger“, wie er sich selbst bezeichnet. Wer etwas über den Mensch Messner erfahren möchte, sollte unbedingt dieses Buch lesen!

Piper-Verlag, ISBN 978-3-492-24731-3 - 10,-€

Cathy O’Dowd

„Aus Liebe zum Berg“

Am 29. Mai 1999 ist es soweit: die Südafrikanerin Cathy O’Dowd hat als erste Frau die Nord- und Südseite des Everest bestiegen.Afrika ist natürlich nicht wirklich für seine Bergsteigerszene bekannt. Wie kommt mal also als Süd-Afrikanerin auf den höchsten Gipfel der Erde?

Alles fängt mit der Ausschreibung der „Sunday Times" an, die für eine südafrikanische Everest-Expedition noch Bergsteigerinnen suchte. Und damit begann zunächst ein Auswahlprozess, dem mehrere Expeditionen folgten. Cathy O’Dowd nimmt uns mit auf ihre Reise, und Schritt für Schritt kämpfen wir uns mit ihr durch Abenteuer, durch alle Strapazen und auch Niederlagen.

Ein interessantes Porträt einer beeindruckenden Frau, deren privates und berufliches Leben sich durch diese eine Zeitungsannonce grundlegend verändert hat.

Malik / National Geographic, ISBN 3-89405-126-4 - 11,- €

Joe Simpson

„Sturz ins Leere“

Eine unglaublich beeindruckende Geschichte und ein wahnsinnig spannendes Buch!

Joe Simpson und sein Freund Simon Yates brechen auf, um einen 6356m hohen Andengipfel über eine bis dato unbezwungene Westwand zu besteigen.

Nach der erfolgreichen Gipfelbesteigung stürzt Simpson beim Abstieg und zerschmettert sich das Knie. Yates versucht ihn abzuseilen, doch in einem Überhang kommt es zur Katastrophe - Simpson hängt hilflos im Seil und Yates merkt, dass er seinen Freund nicht mehr lange halten kann. Um sein eigenes Leben zu retten, entschließt er sich das Seil durchzuschneiden, an dem sein verletzter Freund hängt.

Wie durch ein Wunder überlebt Simpson den „Sturz ins Leere“. Drei Tage dauert die unfassbare Rückkehr ins Basislager. Atemberaubend schildert Simpson seinen Kampf um Leben und Tod, gegen Hunger, Durst und Schmerzen. Eine beeindruckende Schilderung dessen, was Menschen in Extremsituationen leisten können!

Malik / National Geographic, ISBN 978-3-492-21247-2 - 10,-€

Robert Steiner

„Selig, wer in Träumen stirbt“

Eines der Bücher, das uns in den letzten Jahren am meisten fasziniert hat!

Steiner beschreibt einen tragischen Unfall an der Nordwand der Grandes Jorasses, den er mit sehr viel Glück überlebt. Die Kameraden holen Hilfe, doch die lässt zwei Tage auf sich warten!

Was geht in einem Menschen vor, der im Winter, bei geschätzten dreißig Grad unter null ohne Nahrung und viel schlimmer, fast ohne Flüssigkeit, verletzt, auf Hilfe wartet?

Steiner schafft es sehr beeindruckend, diese Gedanken in Worte zu fassen, die stellenweise fast einen poetischen Anklang bekommen. Doch es ist nicht nur die Schilderung dieses Unfalls, die uns so beeindruckt hat, sondern seine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Bergsport und der Frage, warum sich Menschen zu diesen lebensfeindlichen Orten wagen. Absolut lesenswert!

Panico Alpinverlag, ISBN 978-3-926807-91-5 - 10,70 €