Alpenstieg Hintergrund Winter

Funktionswäsche

Bild: Icebreaker

Die "kleinen Helfer" - bei Wärme und Kälte

Kennen Sie das auch? Nach einer anstrengenden Bergtour kommen Sie auf die Hütte, freuen sich auf die Apfelsaftschorle, etwas Leckeres zu essen und die Sonne draußen auf der Terrasse. Doch im frischen Wind wird schnell klar, das Baumwoll-Shirt ist total nass geschwitzt und jetzt frieren Sie.
Spätestens das ist der Moment, in dem man doch beginnt, über die Sinnhaftigkeit von Funktionswäsche nachzudenken – zumindest uns ging es so.

Materialien

Das Ziel der Funktionswäsche ist es, Feuchtigkeit von der Hautoberfläche durch die Textilien hindurch zu transportieren, so dass ein angenehm trockenes Hautgefühl entsteht. Fasern, die in diesem Bereich verarbeitet werden, müssen also gut Feuchtigkeit transportieren können und nur wenig davon aufnehmen. Sehr häufig werden dabei synthetische Fasern eingesetzt: Polyester (PES), Polyamid (PA) und Polypropylen (PP). Auch Elasthan und Lycra sind natürlich synthetische Stoffe, da sie jedoch sehr langsam trocknen, sind sie für Funktionswäsche eher ungeeignet.

Auch die gute alte Wolle erlebt zurzeit eine Renaissance. Hersteller wie z.B. Icebraker oder Smartwool verwenden dafür ausschließlich Wolle von neuseeländischen Schafen, und Erzeugnisse aus dieser Merinowolle sind wirklich erstaunlich. Wer bei Wolle immer noch an Omas kratzende Wollsocken denkt, wird hier eines Besseren belehrt. Mit 13-25 Mikrometer ist die Wolle doppelt so fein wie die unserer deutschen Schafe (30-50 Mikrometer) und deshalb wesentlich weicher. Und sie bietet einen weiteren Vorteil, sie müffelt nicht, selbst nach tagelangem Dauereinsatz!

Neueste Trends

Die Tatsache, dass wir bei Anstrengung ins Schwitzen geraten, ist eine durchaus sinnvolle Einrichtung, wenn auch - zugegeben - meist etwas lästig. Durch den verdunstenden Schweißfilm auf der Haut kühlt sich der Körper selbst ab und überhitzt damit nicht. Während das Ziel der Bekleidungsindustrie lange Zeit darin bestand, Materialien weiterzuentwickeln, die möglichst trockenhalten, hat vor einiger Zeit ein Umdenken eingesetzt. Wird die Feuchtigkeit direkt vom Körper weggeleitet, fehlt der sinnvolle kühlende Effekt; als Reaktion darauf öffnet der Körper weiter die Poren, und man verliert noch mehr Flüssigkeit und Mineralstoffe.

Hinzu kommt, dass unterschiedliche Hautpartien unterschiedlich stark schwitzen: Während die Schweißtropfen im Rücken- und Brustbereich nur so strömen, sind Arme und Beine noch lange staubtrocken. Moderne Funktionswäsche von Herstellern wie Odlo, Mammut oder Bionic berücksichtigen diese Faktoren. Einige Zonen lassen der Haut ihren kühlenden Schweißfilm, einige sind dicker, um z.B. empfindliche Nieren zu schützen, andere dünner, etwa im Bauchbereich. Damit die modernen „Leibchen“ jedoch arbeiten können, haben sie alle eins gemeinsam: Sie sitzen eng am Körper.

Vorbei also die Zeit des ungestraften Kaiserschmarren-Genusses!